Fragen zu Zustand, Pressung und Pflege
Die Abkürzungen stammen aus der englischen Schallplattenfachsprache und beschreiben nur den physischen Zustand des Gegenstands, nicht sein Klangvermögen. VG heißt Very Good – die Platte ist spielbar, zeigt aber Gebrauchsspuren. Sie können leichte bis mittlere Kratzer unter bestimmtem Licht sehen, und bei lauter Wiedergabe können Sie gelegentlich leise Knackgeräusche hören. Das ist völlig normal für eine benutzte Platte.
VG+ bedeutet, dass die Platte sehr gut erhalten ist – mehr Glanz, weniger sichtbare Kratzer, sehr wenige hörbare Geräusche. NM steht für Near Mint: fast neuwertig, minimal hörbare Spuren, ansonsten praktisch unbenutzt. M bedeutet Mint – theoretisch ungenutzt. In der Praxis gibt es bei gebrauchten Platten selten echtes M.
Wichtig: Wir beschreiben die Platte und die Hülle getrennt. Eine Platte kann VG+ sein, während die Pappe VG ist. So wissen Sie genau, womit Sie rechnen.
Ein Album wird oft über Jahre gepresst, da die Nachfrage variabel ist. Die erste Pressung eines Albums von 1973 kann beispielsweise sofort nach der Veröffentlichung erfolgt sein, aber eine zweite, dritte oder vierte Pressung kann Jahre später stattgefunden haben. Das ist nicht falsch oder minderwertig – es ist einfach eine andere physische Ausgabe des gleichen Kunstwerks.
Unterschiedliche Pressungen können sich klanglich unterscheiden, weil die Schallplatten-Matrizen mit Zeit verschleißen. Eine frühe Pressung hat oft mehr Details und Klarheit, weil die Matrix noch neu ist. Später gepresste Kopien klingen manchmal wärmer oder gedämpfter. Das ist Teil der Analogkultur.
Wir geben die Pressnote an – wenn vorhanden – damit Sie wissen, wann und wo Ihre Kopie tatsächlich hergestellt wurde. Das hilft Ihnen, eine informierte Entscheidung zu treffen.
Vertikal aufstellen ist das Wichtigste. Plattenständer oder Regalfächer sollten die Platten senkrecht halten, nicht übereinander gestapelt. Horizontal gestapelte Platten können sich verformen oder die inneren Schichten beschädigen. Vertikal stehende Platten können über Jahrzehnte nahezu unverändert bleiben.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit sollten stabil sein. Idealerweise zwischen 15–20 Grad Celsius und 40–60% Luftfeuchte. Extreme Hitze – etwa neben einer Heizung oder in der Sonne – kann das Vinyl erweichen und das Album verzerren. Zu trockene Luft macht das Material spröde. Ein normales, ruhiges Wohnzimmerregal ist fast immer ausreichend.
Direktes Sonnenlicht sollte vermieden werden, es bleicht Cover und kann das Vinyl beschädigen. Ein dunkles, stabiles Regal mit konstanter Raumtemperatur ist perfekt. Die meisten gewöhnlichen Wohnungen bieten ideale Lagerbedingungen.
Sie benötigen nicht viel. Eine weiche Bürste mit natürlichen Fasern und leicht destilliertes Wasser reichen aus. Spezielle Schallplattenschweife sind hilfreich, aber nicht zwingend. Halten Sie die Platte leicht schräg und fahren Sie mit der Bürste von der Mitte radial nach außen – folgen Sie den Rillen. Nie gegen die Rillen bürsten.
Aggressive Reinigungsmittel, Essig oder Alkohol sind nicht nötig und können die Oberfläche beschädigen. Auch Ultra-Schallreiniger sind für gelegentliche Platten unnötig – sie sind für sehr schmutzige Archive gedacht. Im Haushalt reicht sanfte Behandlung aus.
Lassen Sie die Platte nach dem Reinigen lufttrocknen, bevor Sie sie abspielen. So vermeiden Sie, dass Wasser in die Rillen zieht und Klang beeinträchtigt. Eine trockene, saubere Oberfläche ist meistens die beste Vorbereitung für lange Lebensdauer.
Die Nadel ist das Herzstück der Wiedergabe. Eine hochwertige Nadel mit Diamantschliff sitzt in der Plattierille und wandelt die Vibrationen in Elektrisches um. Audio-Technica, Ortofon und ähnliche Hersteller bieten zuverlässige Nadeln für verschiedene Cartridges. Die richtige Nadel für Ihre Cartridge zu wählen ist wichtig – nicht alle passen.
Der Auflagendruck – auch VTF (Vertical Tracking Force) genannt – ist entscheidend. Zu wenig Druck lässt die Nadel hüpfen und springen; zu viel Druck presst die Nadel in die Rillen und nutzt beide – Nadel und Platte – schneller ab. Die meisten modernen Cartridges sind für 1,5 bis 2 Gramm ausgelegt. Ein einfaches Nadelwaage-Tool hilft, den korrekten Druck zu finden.
Mit der richtigen Nadel und dem richtigen Auflagendruck hört eine alte Platte oft besser als erwartet. Das ist die praktische Essenz: ein passendes Setup macht aus einer VG-Platte oft ein VG+-Erlebnis.
Verpackung ist für gebrauchte Platten essentiell. Verwenden Sie eine stabile Kartonbox, nicht zu klein und nicht zu groß. Die Platte sollte vertikal stehen, nicht flach. Polstern Sie um die Platte mit Luftpolsterfolie oder Packpapier – mindestens 5 cm Polster auf allen Seiten. Das schützt vor Bruch und Verformung.
Die Außenbox sollte reißfest sein und stabil verschlossen mit starkem Klebeband. Beschriften Sie das Paket mit "Zerbrechlich" und vermeiden Sie Szenen von Hits oder Schäden auf dem Label. Ein robustes, neutrale verpacktes Paket erreicht sein Ziel sicherer.
Versenden Sie lieber etwas zu schützerisch als zu nachlässig. Versandschäden sind ärgerlich für alle. Mit guter Verpackung kommen Ihre Platten in dem Zustand an, in dem Sie sie verschickt haben.
Pressungen aus verschiedenen Ländern unterscheiden sich oft in Klang und Verarbeitung. UK-Pressungen – etwa von EMI oder Decca – gelten oft als sehr hochwertig, mit reichen, detaillierten Bässen. US-Pressungen – von Columbia, Atlantic oder anderen – haben manchmal einen anderen EQ-Profil und andere Matrizen. Deutsche Pressungen zeigen oft genaue Handwerk und stabiles Vinyl.
Diese Unterschiede sind subtil und nicht universell. Viel hängt vom Album, der Masterlage und der genauen Pressnummer ab. Die beste Pressung ist oft die erste – aber nicht immer. Einige sammler bevorzugen späte Pressungen mit wärmerer Tönnung. Es ist Geschmackssache.
Wir geben an, woher die Pressung ist, damit Sie sich ein Bild machen können. Wenn Sie bekannt oder gelesen haben, dass eine bestimmte Pressung besonders gut klingt, können Sie gezielt danach fragen.
Eine Platte, die Kratzer oder leichte Verschleißspuren hat, können Sie normalerweise spielen – die Nadel wird nicht an der Stelle steckenbleiben, sondern einfach vorbeigehen. Ein Kratzer ist nicht wie bei einer CD fatal. Das Vinyl ist robust genug, dass Kratzer nicht zum Totalausfall führen.
Sehr tiefe Kratzer oder größere Risse können problematisch sein. Eine Platte mit drei zentimeterlangem Riss kann springen oder Sekunden wiederholen. Verformtes Vinyl – etwa von Hitze – kann schwierig sein, aber sogar das klingt oft noch besser, als viele denken.
Wir werden Sie warnen, wenn eine Platte wirklich kritische Schäden hat. Aber eine VG-Platte mit sichtbaren Kratzern zu spielen ist völlig in Ordnung – das ist das normale Leben einer Schallplatte.